Besuch im Kölner
NS-Dokumentationszentrum
Da
wir uns im Unterricht gerade mit dem Thema „Judenverfolgung
im NS-Staat“ beschäftigten, lag es nur nahe, das EL-DE Haus
in Köln zu besichtigen. Dieses diente von 1935 bis zum
Kriegsende im Jahr 1945 als Zentrale der Gestapo (Geheimen
Staatspolizei) und war somit eine gute Möglichkeit uns
selber einen realistischen Eindruck von dieser Zeit zu
verschaffen.
Dort angekommen wurde unsere Klasse 10D in zwei Gruppen
aufgeteilt. Die Gänge im Keller sind nämlich eng und nicht
für die ganze Klasse ausreichend. Direkt am Anfang der
Führung fielen die kahlen, unbehandelten Wände auf, „es
wurde nichts verändert. Genauso sah es damals hier aus“,
berichtete uns unser aus Frankreich stammender Guide. Genau
diese Wände wirkten kühl, grausam und kalt und ließen
erahnen, wie es früher war. Mit der Hilfe unseres
Vorwissens, unseres Guides und eines Zeitstrahls, der sich
durch alle Räume zog, erfuhren wir alles von den Anfängen
des NS-Staates, von dessen Absichten und Maßnahmen. Am
meisten schockiert hat mich, wie gnadenlos bereits Kindern
die NS-Ideologie in der Schule „beigebracht“ wurde. Sie
lernten rechnen anhand eines Diagramms, auf dem jeweils die
verschieden Bürger des Deutschen Staates und die Kosten,
die jene angeblich verursachen, abgebildet waren. Diese
verschiedenen Bürger waren in Gruppen eingeteilt: ein
„böser“ Krüppel (Behinderter) oder natürlich ein Jude
kostete den Staat angeblich 6 Reichsmark im Vergleich zu
einem „guten“ Arbeiter, der den Staat nur 2 Reichsmark im
Monat kostete. Die Schüler sollten nun ausrechnen, wie viel
der Staat sparen würde, wenn es keine Juden mehr gäbe. Ich
war schockiert, wie diese Kinder eigentlich kaum eine
andere Wahl hatten als sich der Ideologie anzuschließen;
sie kannten es nicht anders.
Schließlich gelangten wir in den Keller des EL-DE Hauses,
der als Hausgefängnis diente. Auch hier waren die Wände
unbehandelt und ein unangenehmer, drückender Geruch lag in
der Luft, während wir durch die engen Gänge liefen. Nach
ein paar Metern waren wir bei den Zellen angelangt, diese
dienten zur Gefangenhaltung festgenommener Personen. Die
Vorstellung mit mehreren Menschen in dieser kleinen, kein
Fenster aufweisenden Zelle auch nur einen Tag zu verbringen
ließ uns schaudern. Wie schrecklich und unmenschlich waren
die Verhältnisse damals? Wie konnten Menschen das nur
aushalten? Antworten gaben uns die eingeritzten Nachrichten
in den Wänden. Überall hielten die Menschen ihr Schicksal
für die Häftlinge nach ihnen fest und berichteten von ihrer
Situation. Fast alle schrieben, dass sie unschuldig waren
und nicht einmal eine kleine Ahnung hätten warum sie hier,
in dieser grauenvollen, Zelle sitzen müssten. Andere
schrieben Liebesnachrichten an ihre Familie, da sie
wussten, dass sie nicht mehr lange zu leben haben würden.
Selbst junge Menschen, Jugendliche, mussten befürchten, für
kleine Handlungen des Widerstands erschossen zu werden.
Auch dies war ein weiterer schockierender Einblick.
Meiner Meinung nach war dieser Ausflug sehr wichtig, damit
wir uns einen Eindruck und vor allem ein Gefühl von den
Verhältnissen der damaligen Zeit verschaffen konnten. Ich
werde diese engen Zellen, die Vorstellung, wie ein Mensch
dort unschuldig ausharrt und mit seinem Leben abschließt,
wie bereits Schulkinder durch Lernmethoden in die
NS-Ideologie eingeschleust werden, nicht mehr vergessen.
Ich kann hier nur unseren hervorragenden Guide zitieren und
stimme ihm vollkommen zu: „Es ist wichtig einen Eindruck
von der damaligen Zeit zu bekommen, was damals passiert
ist, war und ist schrecklich, doch das darf man nicht
verdrängen und muss darüber sprechen. Menschen müssen
aufgeklärt werden, wie so etwas Unfassbares überhaupt
passieren konnte. Es darf nicht geschwiegen werden, auch
diese grauenhafte, heute kaum nachvollziehbare Zeit gehört
zur deutschen Geschichte.“ Auch teilte er uns noch mit,
dass in Frankreich, seinem Heimatland, teilweise noch immer
nicht offen mit diesem wichtigen Thema umgegangen wird. Man
rede nicht gerne darüber und versuche es durch das
Schweigen ungeschehen zu machen – doch das funktioniert
nicht!
Sina
Hirsch, Klasse 10d